Der Regenbogen - eine (fast?) unendliche Geschichte...

14.01.2023
Martina Kral

In monatlich erscheinenden Blogs, das sind wir Autorinnen der Reichhaltigkeit dieses Themas schuldig, sind wir dem eigentlich flüchtigen Phänomen des Regenbogens und seiner Farben, seiner symbolischen, kulturellen, kunstbezogenen wie mythologischen Verwendung über Jahrhunderte hinweg auf der Spur – angeregt durch das bunte art24-Logo, das wie zerfliessende Aquarellfarben auf Papier stellvertretend für das reiche Spektrum einer Kunstwelt aus unterschiedlichsten Formationen, Ausprägungen und natürlichen Farben steht.

Seine Erscheinung ist wie Magie: der Regenbogen und sein Farbverlauf von Rot, Orange, Gelb, Grün über Blau und Indigo bis zu Violett. Ein Naturphänomen, das bei Regen und gleichzeitigem Sonnenschein auftaucht, wieder verschwindet und seit Urzeiten die Menschheit inspiriert. Ein faszinierender Identitätsstifter, ein Zeichen und Symbol, das weltweit les- und erkennbar, jedoch nicht immer willkommen ist. Viele Kulturen und Epochen verwenden den Regenbogen und seine Farbverläufe und spiegeln in verschiedensten Erscheinungsformen eine Diversität und Vielfalt wider, die in ihrer schillernden, staunenden, überbordenden Fülle kaum fassbar ist.

Die Mode- und Werbebranche kennen sie. Aber auch in der Medizin und der Literatur, in Märchen, Religionen, Kunst- und Kulturepochen, selbst in der Musik in übertragenem Sinn tauchen prächtige Farbverläufe und Regenbogenfarben auf. Kurzum, es gibt kaum einen Bereich, der dieses Phänomen nicht verwendet. Warum mögen die Menschen eigentlich den Regenbogen? Wieso sind wir fasziniert von seinem atmosphärischen Erscheinungsbild? Was hat uns dazu bewogen, dessen Farbspektrum zu kopieren und in immer neuen Varianten wiederzugeben? Wie gehen wir mit ihm als Symbolgeber, Brückenbauer in andere Welten, Identitätsstifter, als Ideen- oder Inhaltsgeber um? Die Fülle an Beispielen ist enorm. Willkommen in der Einführung in die wundervolle Welt des Regenbogens, die sich im Laufe der nächsten Monate quer durch unterschiedlichste Thematiken und Jahrhunderte ausbreitet. 

Das Auftauchen eines Regenbogens als Naturschauspiel hat bereits frühe Kulturen gefesselt. Zahlreiche Mythen, Geschichten sowie Erzählungen bei Naturvölkern zeugen davon und führen uns vor Augen, welch`grosse Bedeutung diesem Ereignis beigemessen wurde und wird. Regenbögen in der Buchmalerei, in der religiösen wie weltlichen Kunst vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert verraten je nach Kontext eine überraschende Symbolik. Genaue Himmelsstudien und Wetterbeobachtungen beschäftigen nicht nur Naturforscher:innen, sondern bieten auch Kunstschaffenden genaues Anschauungsmaterial für naturalistische Bilder ohne mystische Andeutungen. Philosoph:innen, Psycholog:innen, Farbtheoretiker:innen, Esoteriker:innen, Traumdeuter:innen oder Musiker:innen, die den Farben gar Töne zuordnen, lassen sich von einem an sich flüchtigen Phänomen begeistern, dem sie Form und Inhalt geben. Der Regenbogen als natürliche Inspirationsquelle sprengt jegliche Grenzen. Kaum überraschend, dass sein Farbverlauf in unserem täglichen Alltag, in Mode und bei Accessoires, etwa bei einem regenbogenfarbenen Schirm, schon längst Einzug gehalten hat. Vielleicht hat der gemalte, künstliche Regenbogen mit all` seinen Facetten dem natürlichen Wetterwunder bereits den Rang abgelaufen? 

Der nächste Blog widmet sich dem Regenbogen und wie er von aussereuropäischen Kulturen bis in die Zeit der Griechen und Römer sowie im asiatischen Raum verwendet wurde.