4. Biennale der zeitgenössischen Textilkunst

15.09.2022
Susi Schildknecht

Das historische Städtchen Avenches (VD) in der Region Murtensee wird vom Samstag, 15. bis Sonntag, 23. Oktober 2022 zum vierten Mal zur Hauptstadt zeitgenössischer textiler Kunst. Veranstaltet vom Verein «Eloge du fil» (franz. = Loblied auf den Faden), wird dem vielseitig verwendbaren Rohmaterial «Faden» eine grossartige Hommage bereitet. Die Ausstellung ist auf die schönsten Lokalitäten der Altstadt verteilt, und von grossen Flaggen blicken rund 200 textil gestaltete Gesichter auf das Geschehen rund um die Rue Centrale.  

Fäden aus Wolle, Textilien, Papier, Eisen: Unter den kreativen Fingern international bekannter Textil-Kunstschaffender aus der Schweiz und dem Ausland nehmen Quilte, Gewobenes, geklöppelte Spitzen, Stickereien, Häkelarbeiten und gestrickte Werke ungeahnte Formen an. «Wenn unsere Mütter und Grossmütter das sehen könnten, würden sie zwar staunen, aber das Herz würde ihnen weit aufgehen. Diese Biennale versteht sich denn auch als Brücke zwischen dem im Alltag verankerten, handwerklichen Savoir-faire unserer Vorfahren und den künstlerischen Ausdrucksformen von heute», sagt Christiane Studer. Zusammen mit ihrem Ehemann Marc-André Studer hat sie die Biennale 2015 gegründet hat und steht dem veranstaltenden Verein «Eloge du fil» seither als Präsidentin vor. Nebst der Würdigung des textilen Kunstschaffens durch ein breites Publikum will der Verein auch dem kreativen Nachwuchs Textilschaffender eine Bühne bieten. Nach der letzten Biennale im 2019 mit 3500 Besuchenden verordnete die Pandemie eine Kunstpause. Nun ist die Ausstellung zurück. 

 

Renommierte Kunstschaffende und Street Art

Die diesjährige 4. Ausgabe der Biennale der zeitgenössischen Textilkunst vereint Ausstellungen von sieben international renommierten Einzel-Künstlerinnen und -Künstlern sowie einer fünfköpfigen Künstlergruppe. Ihnen stehen im Herzen von Avenches die schönsten Lokalitäten zur Verfügung. 

Über der ganzen Altstadt weht der Geist dieser Biennale in Form einer Urban-Art-Beflaggung mit rund 200 textil gestalteten «Visages Vagabonds» (Vagabundengesichter). Beigetragen haben Textilkunstschaffende aus ganz Europa sowie viele Passionierte aus der Region, darunter etwa eine Klasse der Ecole de Couture Freiburg.

Paola Zanda, Textilkünstlerin aus Carona/TI präsentiert im Keller des Rathauses wunderbar bunte Quilte, für die sie sich in der Natur und insbesondere an Bäumen inspirieren lässt. 

Die in Neuchâtel lebende Künstlerin und «Garn-Virtuosin» Renate Rabus findet in der Stickerei eine zum Flanieren und Träumen einladende Entschleunigung. Sie zeigt ihre Werke, darunter etwa ein bezauberndes Aquarium, im Saal des Swiss Hotel la Couronne.

Maria Stoller, Textilkünstlerin und Plastikerin aus Zürich, ist seit Jahren bekannt für ausdrucksstark genähte Bilder und textil gebaute Bücher. Ihre Portraits vermitteln Emotionen und Probleme in der Gesellschaft, indem die Betrachtenden diesen wortwörtlich ins Gesicht blicken. Ihr steht die Galerie Local 49 sowie das nebenan liegende Lokal Au jardin fleuri zur Verfügung. 

Jürg Benninger ist in seinem Atelier in Biel/BE, aber auch in seiner Phantasie zuhause. Mit Häkelnadel und Wolle schafft er dreidimensionale Kunstwerke, die mit ihrer oft absurd scheinenden Komik allen etwas zu sagen haben. Er stellt im Römischen Museum aus.

Auch die ehemalige Metzgerei wird textil bespielt. Mireille Finger, Spitzenklöpplerin, Filzerin und Spinnerin aus Courtételle/JU, nimmt für ihre hinreissenden Kunstwerke alles zur Hand, von Seide, Leinen, Wolle über Glasfasern bis zum Eisendraht. 

Daniela Melberg, bildende Künstlerin und Filzerin aus Ebikon/LU, nährt ihre Kreativität aus Betrachtungen der Natur. Farben, Formen und spontane Eingebungen während des Schaffensprozesses führen zu ganz und gar Zauberhaftem aus Filz. Zu sehen ist dies in der Kirche Sainte-Marie-Madeleine. 

In derselben Kirche kommt es zu einem Wiedersehen mit der Spitzenklöpplerin Catherine Lambert aus Vercorin/VS, die schon 2015 und 2019 an der Biennale in Avenches ausstellte. Sie wird eine Neu-Inszenierung ihrer monumentalen Installation aus tanzenden Federn zeigen.

Die Groupe arT-Tex besteht aus fünf Westschweizer Textilkünstlerinnen, die im Grossen Saal des Theaters Avenches ihre Quilt-Kunst präsentieren: Monique Bongard Stalder aus Penthalaz/VD, Marianne Bender-Chevalley aus Fully/VS, Martine Mercier aus Gimel/VD, Patricia Fuentes aus Châtel-St-Denis/FR und Sophie Zaugg aus Le Sentier/VD. Im Kollektiv nähren sie ihre persönliche Kreativität, auch wenn jede ihren ganz eigenen Ausdrucksstil bewahrt. 

 

Praktische Infos zum Besuch der Biennale

Öffnungszeiten: Samstag, 15. bis Sonntag, 23. Oktober 2022. Täglich von 11.00 bis 18.00 Uhr (ausser am 23. Oktober nur bis 17.00 Uhr).

Eintrittspreis: Ein Tageseintritt für alle Ausstellungslokale kostet 10 Franken. Der Billettschalter befindet sich neben der Kirche. 

Anfahrt: Avenches ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, vom Bahnhof gelangt man in 10 Gehminuten ins Zentrum des Städtchens. Autofahrende nehmen die A1-Autobahnausfahrt Avenches.

Informationen: Detaillierte Informationen zur 4. Biennale und den Kunstschaffenden gibt’s hier.